Deutschland erlebt einen deutlichen Rechtsruck. Unzufriedenheit bei den Wählern, Vertrauensverlust in politische Parteien und demokratische Institutionen sowie gefühlte Abstiegsängste bieten der AfD ein ideales Umfeld, um für ihre rechtsextremen Themen Zustimmung zu gewinnen. Trotz Beobachtung durch Sicherheitsbehörden und trotz zahlreicher Skandale wächst die Popularität der Partei. Ihre Strategie, mit völkisch-nationalistischen Versprechen ein „Wir-Gefühl“ unter ihren Anhängern zu erzeugen, ist erfolgreich.
In manchen Regionen ist sie längst stärkste politische Kraft und der Ausbau ihrer Macht gefährdet demokratische Strukturen. Wir sehen darin eine ernsthafte Gefahr für unsere offene Gesellschaft.
Mit dem Buch wollen wir darauf aufmerksam machen, dass der Rechtsruck auch im Ländlichen Raum, im Westen Baden-Württembergs und konkret in der Ortenau stattfindet. Von Aufklebern, Schmierereien und radikalen Vorfällen in den Kommunen über das Wirken lokaler AfD-Kandidaten bis hin zu regionalen Netzwerken der Neuen Rechten ordnen wir unsere Recherchen vor Ort in einen größeren politischen Kontext ein und dokumentieren damit zehn Jahre antifaschistisches Engagement als Regionalgruppe des bundesweiten Bündnisses Aufstehen gegen Rassismus. Seit 2016 beobachten wir das rechtsextreme Treiben in der Provinz, machen Äußerungen und Vorfälle öffentlich, organisieren Protestaktionen und andere Formen des Widerstands gegen Rechtsextremismus. Unsere Fallstudie zeigt, wie die AfD und ihr politisches Vorfeld auf kommunaler Ebene agieren und wie – bei allem Versagen anderer politischer Akteure – zivilgesellschaftliche Gegenwehr aussehen kann. Vielfach stützen wir uns dabei auf von der Öffentlichkeit nicht beachtete Facebook- und Telegram-Kanäle der rechten Szene.
Der erste Teil des Buches fasst die wichtigsten Ereignisse der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft in Baden zusammen und führt an ausgewählten Lokalpolitikern die Auswirkungen auf die Nachkriegsgesellschaft bis weit in die Gegenwart hinein vor. Im Zentrum des größeren zweiten Teils stehen rechte Parteien als Sammelbecken für völkisch-nationalistische Kräfte in der Region. Sie nutzen die Unzufriedenheit vieler Menschen mit politischen Entscheidungen, das Gefühl sozialer Benachteiligung und eine weit verbreitete Politikverdrossenheit, um die parlamentarische Demokratie in Frage zu
stellen. Besondere Aufmerksamkeit erhält das Konzept der „Remigration“, das weit über die Partei hinaus im öffentlichen Diskurs verhandelt wird. Wir belegen das mit Aussagen und Aktivitäten regionaler AfD-Funktionäre, zu denen auch bundesweit bekannte Politiker wie Weidel, Meuthen, Seitz, Frohnmaier oder Räpple gehören. Den Gegenpol bildet die ausführliche Darstellung der zivilgesellschaftlichen Arbeit des Bündnisses Aufste-
hen gegen Rassismus in der Ortenau. Wir berichten von Recherchen, Protestaktionen, Bildungsprojekten und Erinnerungsarbeit, die den Alltag vor Ort prägen. Unser Beispiel soll zeigen, wie wichtig es ist, demokratische Strukturen auch in den Kommunen zu verteidigen und die Erinnerungskultur lebendig zu halten, um einer weiteren Normalisierung rechtsextremer Diskurse entgegenzutreten.
Die ideologische Klammer zwischen dem Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts und dem Extremismus der Neuen Rechten ist der „Völkische Nationalismus“. Seine antisemitische und rassistische Ideologie zieht sich als gesellschaftliche Einstellung wie ein roter Faden vom Kaiserreich bis in die Gegenwart hinein – von der völkischen Bewegung bis zum Anastasia-Kult – und gebündelt im „Ethnopluralismus“ der sogenannten „Iden-
titären Bewegung“ , der dem AfD-Konzept der „Remigration“ zugrunde liegt. Auch für die Provinz zeigt sich, dass Antisemitismus, Rassismus und der Wunsch nach autokratischer Führung keine Randphänomene mehr darstellen, sondern spätestens mit den Widerstandsbewegungen während der Covid-19-Pandemie in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Wir legen die ideologischen Wurzeln und die gegenwärtigen Erscheinungsformen des „Völkischen Nationalismus“ frei, warnen vor seiner gesellschaftlichen Normalisierung und präsentieren unsere Strategien der Gegenwehr.
Im Superwahljahr 2026 leistet die engagierte Fallstudie aus der zivilgesellschaftlichen Praxis heraus einen Beitrag zur politischen Bildung. Sie macht sichtbar, auf welche Weise sich völkisch-nationalistisches Denken im Alltag ausbreitet, wie ängstlich Parteien und Akteure vor Ort dagegen agieren und wie zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen Rechtsruck und Rassismus aussehen könnte. Wir konstatieren ein Versagen der Politik in Berlin wie in den Kommunen, das den Aufstieg der AfD auf vielfältige Weise begünstigt. Um den Fortbestand unserer demokratischen und weltoffenen Gesellschaftsordnung zu sichern, halten wir ein juristisches Vorgehen gegen die Partei für unerlässlich, denn nicht zuletzt ihr „Völkischer Nationalismus“ ist mit den Werten des Grundgesetzes nicht vereinbar – unser Fazit ist daher ein Appell an die Politik:
Verbietet die AfD!
Völkischer Nationalismus. Ein Notizbuch aus der Provinz.
344 Seiten mit 31 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, fester Einband.
ISBN 978-3-95505-583-7. EUR 24,80.
Ihr könnt das Buch ab sofort in jeder Buchhandlung bestellen oder hier direkt beim Verlag.
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