Düker zu hoher Geldstrafe verurteilt

Wegen Volksverhetzung und wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ist der Offenburger Stadtrat Fritz Düker zu einer Geldstrafe in Höhe von 16.900 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht Offenburg verhängte 130 Tagessätze zu 130 Euro für Beiträge, die Düker über seine Telegram-Kanäle öffentlich verbreitet hatte.

 

Angezeigt wurden diese Beiträge jeweils von „Aufstehen gegen Rassismus Offenburg“, weshalb der Stadtrat der „Freien Bürger“ unsere Sprecherin seit Monaten persönlich diffamiert und dies auch vor Gericht fortsetzte. Für ihn ist dies ein weiterer Eintrag im Bundeszentralregister. Düker kann gegen das Urteil Berufung einlegen – wenn es rechtskräftig wird, ist er vorbestraft.

 

Im ersten Post von 2024 waren eine Hakenkreuzflagge und die Flagge Israels zu sehen. Im Text dazu wurden beide Staaten als Militärregime basierend auf einer religiösen Ideologie bezeichnet, die sich von Gott auserwählt fühlten, Krieg zu führen und ein Volk ausgelöscht hätten. Und darunter: „Finden Sie die Unterschiede“. Das Regierungshandeln Israels wurde also dem der Nationalsozialisten gleichgestellt. Strafrechtlich relevant war aber nicht diese ungeheuerliche Verharmlosung des Holocaust, sondern nach § 86 StGB das gezeigte Hakenkreuz.

 

Im zweiten Fall teilte Düker das historische Foto eines Kindes aus dem Vernichtungslager Auschwitz und daneben das Foto eines unterernährten Kindes (das jedoch nicht, wie behauptet, aus dem Gaza-Konflikt stammt) mit der Jahreszahl 2025. Darunter schrieb er das Wort „Genocide“. Die Montage setzte also die damalige Situation im Gazastreifen mit dem systematisch organisierten Massenmord der Nationalsozialisten an den Juden gleich und verharmloste damit den Holocaust. Das erfüllt nach § 130 StGB den Tatbestand der Volksverhetzung.

 

Ein drittes Bild zeigte 2025 die angeblich geheimen Machtstrukturen der Welt, wie sie in verschiedenen Verschwörungserzählungen verbreitet werden. Düker behauptete, dass die „13 satanischen Blutlinien“ mächtiger „Elitefamilien“ wie Windsor, Rothschild oder Rockefeller die Welt kontrollieren. Der Vatikan war als Zentrum dargestellt, „von dem aus Zionisten, Jesuiten und Freimaurer gesteuert“ würden. Auch diese in rechtsextremen Kreisen beliebte, antisemitische Verschwörungserzählung ist wegen ihres volksverhetzenden Charakters strafbar.

 

Düker, der erneut ohne seinen Szene-Anwalt Dirk Schmitz vor Gericht erschien, setzte seine im Juli 2025 eingeschlagene Strategie fort und behauptete, diese Bilder nicht gepostet zu haben. Das Gericht hielt dies jedoch für eine Schutzbehauptung und zeigte sich aufgrund der ihm ebenfalls vorliegenden Telegram-Kommunikation rund um die Postings davon überzeugt, dass niemand außer Düker selbst dort mit seinem Account tätig gewesen könne. Das habe er auch in Mails an die Stadträte implizit eingeräumt. Die Taten könnten ihm daher zur Last gelegt werden.

 

Mit etwa 40 Anhängern im Gefolge war Düker siegessicher in das Amtsgericht eingezogen. Für seine Unterstützer aus dem Esoterik-, Querdenker- und Reichsbürgermilieu, die sich wohl am treffendsten als „verfassungsschutzrelevante Delegitimierer des Staates“ zusammenfassen lassen, ist Düker noch immer der „Coronaheld“. Der Staatsschutz stuft solche Gruppierungen als Bedrohung ein, da sie das Vertrauen in den demokratischen Rechtsstaat zerstören, zur Verunsicherung der Bevölkerung beitragen und in der Konsequenz oft zu Gewalt oder zur Nichteinhaltung von Gesetzen anstiften.

 

Düker selbst wollte das Urteil nicht anhören und versuchte immer wieder, dem Richter zu widersprechen, obwohl ihm längst das Wort entzogen worden war. Das Urteil sei aus politischen Gründen gefällt worden und die Staatsanwältin wolle ihn privat wie beruflich „vernichten“. Entsprechend fühlten sich seine Anhänger durch das Urteil betrogen und brüllten ihre Empörung ebenfalls in die Urteilsverkündigung hinein. Sie skandierten „Wir sind das Volk“ und beschimpften die Staatsanwältin, den Richter und auch uns – als Denunzianten. Man konnte hysterisches Türenschlagen, aberwitzige Schreikrämpfe und Nervenzusammenbrüche im Gerichtssaal erleben.

 

Wer wissen möchte, wie Düker und diese Menschen zu solchen Demokratiefeinden werden konnten, kann dies in unserem gerade erschienenen Buch „Völkischer Nationalismus. Ein Notizbuch aus der Provinz“ nachlesen, das in jeder Buchhandlung erhältlich ist. Begleitet wurde der Prozess übrigens von einem Kamerateam des ZDF-Magazins 37°, das die Verwirrtheiten des „Freien Bürgers“ Fritz Düker in seiner Sendung mit dem Titel „Zwischen uns die Wahrheit“ dokumentiert. Sie wird am 4. August 2026 um 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.